
Von wegen Spatzenhirn! Bestimmte Vogelarten überraschen uns immer wieder mit ihrer fast unheimlichen Intelligenz. Zu den schlausten Vertretern der gefiederten Zunft gehören Raben und Papageien. Mögen die Fachleute über den IQ der Vögel streiten – der Laie erfreut sich derweil an kuriosen, höchst beeindruckenden Filmaufnahmen und Berichten.
Was tun, wenn man eine wirklich harte Nuss zu knacken hat? Ein paar gewitzte Krähen haben ihre ganz eigene Art entwickelt, mit dieser Herausforderung umzugehen, wie der Tierfilmer David Attenborough in einer japanischen Großstadt erleben durfte.

Die eleganten Tiere aus der Familie der Rabenvögel schwingen sich hoch in die Lüfte und lassen den Leckerbissen von dort aus fallen. Aber nicht etwa irgendwohin, sondern mitten auf eine stark befahrene Kreuzung. Der Aufprall selbst kann der harten Schale zwar nichts antun – wohl aber das Auto, das Sekunden später darüberfährt und die Nuss knackt.
Lebensgefährlicher Spießrutenlauf
So weit schon mal ganz gut. Wenn da nicht die vielen anderen Autos wären, die aus der Wegstrecke zur geknackten Nuss einen lebensgefährlichen Spießrutenlauf machen. Doch auch dafür haben die Krähen eine Lösung gefunden: Geduldig warten sie am Fußgängerübergang, bis die Ampel auf Grün schaltet – um dann in aller Seelenruhe über die Straße zu tippeln und sich den wohlverdienten Happen abzuholen.

Zahlreiche Filmaufnahmen dokumentieren, wie kreativ die Rabenvögel Lösungen entwickeln. Nicht ihre Geschicklichkeit, sondern ihr Abstraktionsvermögen gilt dabei als Beleg für Intelligenz; etwa die Transferleistung, aus den Gegebenheiten „Höhe – Straße – Auto – Ampel“ einen Nussknacker zu konstruieren.
Erwiesenermaßen können Krähen solche komplexen Handlungen im Voraus planen. Alternativ gucken sie sich das Verhalten von ihren Kollegen ab, sind also lernfähig. Macht ihnen niemand vor, wie es geht, probieren sie es selbst. Gerne auch mit der Hilfe von Werkzeug – eine Kunst, von der lange angenommen wurde, dass sie im Tierreich nur von Affen und Halbaffen beherrscht wird. Dabei scheinen gerade Krähen ein Faible für das Heimwerken zu haben: Sie benutzen nicht nur ein, sondern bei Bedarf gleich drei Werkzeuge hintereinander, um an versteckte Nahrung zu gelangen. Und ist kein Stöckchen, Grashalm oder Blattstängel zur Hand, pardon, zur Kralle, dann basteln sie sich das passende Utensil eben selbst. Wie beispielsweise die Krähe Betty, die an der Universität Oxford die klügsten Forscher verblüffte, als sie kurz entschlossen ein Stück Draht zu einem Haken verbog, um an ein Leckerli zu gelangen.

Auch Papageien sind hochbegabt
Auch Papageien zählen zu den Hochbegabten unter den Vögeln, wobei Experten darüber streiten, ob die Kunst des „Sprechens“ mit Intelligenz zu tun hat oder nicht. Viele Papageienkenner gehen beim „Nachplappern“ von einer Verhaltensstörung des Tieres aus; neuere Forschungen zeigen jedoch offenbar, dass Papageien durchaus bedeutungsbezogen sprechen, also Ereignisse oder Objekte mit den passenden Wörtern verbinden können.
Unbestritten hingegen ist, dass Papageien für Probleme intelligente Lösungen finden. Der neuseeländische Kea beispielsweise dreht an Schrauben, bedient Haken, schiebt Hindernisse beiseite, löst Riegel und öffnet verschlossene Deckel, um an Futter zu gelangen – nicht etwa in unterschiedlichen Situationen, sondern nahtlos aneinandergereiht. Als weiteres Indiz für Intelligenz wird die Zusammenarbeit mehrerer Tiere gewertet. So zeigen Filmaufnahmen drei Keas vor einer Futterbox, deren Deckel sich nur durch das Ziehen an einer weiter entfernten Schnur öffnen lässt. Nach ein paar Versuchen scheinen sich die Vögel geeinigt zu haben: Einer zieht mit dem Schnabel an der Schnur und hält sie fest, so dass die anderen fressen können. Faszinierend ist dabei nicht nur die kluge Zusammenarbeit; uns Menschen begeistern die neugierigen und erfinderischen Tiere vor allem deshalb immer wieder aufs Neue, weil sie an ihren Aktivitäten ganz offensichtlich Spaß haben.