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Tiere wirken positiv auf die menschliche Psyche

Tiere im Seniorenheim

Zwei Drittel aller Deutschen würde im Alter am liebsten in ein Seniorenheim ziehen, in dem die Haltung von Tieren erlaubt ist. Sie möchten gemeinsam mit Hund, Katze, Wellensittich oder Hamster alt werden.

Hund im Seniorenheim

In vielen Seniorenheimen wird es schon praktiziert: Regelmäßiger Besuch von Hunden zu therapeutischen Zwecken oder einfach, weil es Spaß macht. Bei vielen kranken oder alten Menschen wurde eine gesundheitliche Verbesserung festgestellt, wenn sie regelmäßig Kontakt zu Tieren haben. Selbst bei Demenzkranken und Wachkomapatienten wurden positive Reaktionen auf einen Therapiehund festgestellt, wenn Ihre Hand das weiche Fell eines Vierbeiners berührt.

Bewiesen ist, dass Haustiere heilen helfen. Hunde zu Besuch im Altersheim, Kaninchen auf der Kinderstation im Krankenhaus, Delfine als Therapeuten, Hunde als Begleithunde für Behinderte... diese alternativen Methoden werden immer populärer und anerkannt sind sie schon lange.

Therapiehund

Hund im Büro

Auch im Büro wird das Betriebsklima positiv beeinflusst, wenn ein Hund oder eine Katze am Arbeitsalltag teilnimmt. Vorausgesetzt natürlich, dass niemand gegen Tierhaare allergisch ist und die Tiere brav und verträglich sind. Bewiesen ist, dass die Mitarbeiter entspannter und motivierter sind. Natürlich lenkt ein Tier zwischendurch ab, aber wenn der Mitarbeiter dafür in der restlichen Zeit effektiver arbeitet, kann man die kurzen "Schmusepausen" kaum als negative Ablenkung werten.

Wir hoffen, dass auch weiterhin in diese Richtung geforscht wird und mehr Menschen von der positiven Wirkung auf die Psyche der Menschen überzeugt werden.

Hilfe bei Schlaganfall

Die positive Wirkung der tiergestützten Therapie bei kranken Menschen ist in der Forschung durch Fallstudien eindeutig erwiesen. Im Interview erläutert die Neuropsychologin Stefanie Böttger, wie der Kontakt zu Tieren z.B. Schlaganfallpatienten helfen kann.

Stefanie Böttger ist Neuropsychologin am Klinikum Harlaching des Städtischen Klinikums München. Auf der Station für Neurologische Frührehabilitation wird seit 2003 mit tiergestützter Therapie gearbeitet. Patienten kommen hierbei regelmäßig in Kontakt mit eigenen oder den Stations-Heimtieren. Für Ärzte und Erkrankte ist die Begegnung mit Hund, Katze und Co. ein großer Erfolg.


Frau Böttger, wie sieht die tiergestützte Therapie auf Ihrer Station konkret aus?

Stefanie Böttger:
Auf unserer Station können Angehörige beim Besuch der Patienten Heimtiere wie Hunde und Katzen mitbringen. Dabei handelt es sich um die Tiere der Kranken. Vor der Station gibt es einen eigens dafür eingerichteten Raum, in dem sich die Patienten mit den Tieren bei jedem Wetter beschäftigen können. Wir haben auch einige Therapiekaninchen, die in einem Freigehege tiergerecht untergebracht sind. Man kann sich also jederzeit mit den Tieren befassen – geplant oder ungeplant.


Für welche Patienten eignet sich die tiergestützte Therapie?

Stefanie Böttger:
Bei den Betroffenen handelt es sich in erster Linie um Schlaganfallpatienten. Außerdem findet man bei uns die gesamte Palette der neurologischen Erkrankungen. Die Erkrankten leiden zum Teil unter schweren Antriebsminderungen. Viele von ihnen haben einen Neglect, das heißt ihre Wahrnehmung ist halbseitig eingeschränkt. Es ist aber nicht so, dass jeder Patient bei uns automatisch mit Tieren in Kontakt kommt. Wir fragen sie natürlich vorher und wenn sie sich nicht verständlich machen können, sprechen wir mit Angehörigen. In einigen Fällen bringen wir Patienten und unsere Kaninchen auch spontan zusammen. Es ist ein gutes Zeichen, wenn sich die Betroffenen spontan dem Tier zuwenden und vielleicht sogar anfangen zu lächeln! Bei Patienten mit offenen Wunden, Allergien oder Infektionen muss der Einsatz der tiergestützten Therapie unter Berücksichtigung der körperlich-seelischen Gesamtsituation vorsichtig abgewogen werden.


Welche Rolle spielt der Tierschutzgedanke bei ihrer Arbeit?

Stefanie Böttger:
Der Kontakt mit den Tieren ist kein Verstoß gegen den Tierschutz. Unserer Tiere werden artgerecht untergebracht. Sie werden ebenso wie das Gehege regelmäßig tierärztlich untersucht. Zum Schutz der Patienten gibt es außerdem einen strengen Hygieneplan.


Was können die Heimtiere, was herkömmliche Therapien nicht erreichen?

Stefanie Böttger:
Tieren gegenüber müssen sich die Patienten nicht beweisen. Sie können sich dadurch emotional viel schneller auf diese Begegnung einlassen als im interpersonellen Kontext. Sie bekommen die Möglichkeit zu einem unbefangenen Kontakt. Der Umgang mit den Tieren wirkt entspannend und aktivierend zugleich, es entsteht sozusagen eine Art „entspannter Konzentration“. Gerade im funktionalen Bereich können unsere Kaninchen viel bewegen. Die Patienten könne sie streicheln und füttern. Sie lernen, die Tiere richtig zu halten und dabei gezielt zu greifen. Beim Spielen und Pflegen wird die Koordination und Motorik gefördert. Körperkontakt, Wärme, Herzschlag, Atmung, Geruch, Laute und das Aussehen eines Tieres aktivieren die Wahrnehmung mit allen Sinnen.
 

Lassen sich nach der Begegnung mit einem Heimtier denn tatsächlich Erfolge bei der Genesung der Patienten feststellen?

Stefanie Böttger:
Die positive Wirkung der tiergestützten Therapie ist in der Forschung durch Fallstudien eindeutig erwiesen. In Gruppen haben wir tiergestützte und herkömmliche Therapie verglichen. Kamen die Betroffenen mit einem Heimtier zusammen, haben wir eine viel bessere Wahrnehmung festgestellt als beispielsweise bei der Arbeit mit speziellen Computerprogrammen. Sie konnten sich bei der Beschäftigung mit einem Tier viel besser konzentrieren. Gerade für schwer Betroffene eignet sich der Kontakt mit unseren Stationskaninchen. Vor allem im Bereich der Frührehabilitation hat die tiergestützte Therapie großen Erfolg. Hier zeigen sich bereits nach kürzester Zeit Reha-Erfolge. Der Umgang mit den Tieren wirkt entspannend und stressreduzierend. Das Verkopfte bei den Patienten ist weg. Denn zur Genesung gehört der Dreiklang von Körper, Geist und Seele. Man muss jedoch bedenken, dass der Kontakt mit Tieren nur ein Mosaiksteinchen bei der Therapie von neurologischen Erkrankungen ist. Aber wenn die Patienten es möchten, ist es eine schöne und wirksame Sache.


Quelle: zza (Zoologischer Zentral Anzeiger)
 

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